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Was macht eigentlich …

von Nina Mohimi


Foto: Pexels.com/Jill Burrow

eine Wasser-Sommelière*?

In der Welt der Kulinarik entstehen immer wieder spannende neue Berufe. Ein Beispiel dafür ist jener der Wasser-Sommelière. Bei Popchop sind wir immer wieder begeistert, solche Tätigkeitsfelder vorzustellen und zu beleuchten, wie vielseitig und spannend die kulinarische Arbeitswelt sein kann.

Wasser-Sommelières sind Expert:innen, die sich auf die sensorische Bewertung und das Fachwissen rund um Wasser spezialisiert haben. Ähnlich wie jene, die sich mit den verschiedenen Aspekten des Weingenusses auskennen, befassen sich Wasser-Sommelières mit der Qualität, dem Geschmack und der Herkunft verschiedener Wassersorten. 
Dieses relativ neue Berufsfeld hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, insbesondere in der gehobenen Gastronomie und in spezialisierten Einrichtungen, die ein breites Spektrum an Wasserprodukten anbieten.
Im Berufsfeld der Wasser-Sommelière entfaltet sich die ganze Bandbreite der sensorischen Erfahrung, wenn es darum geht, den Weg des Wassers vom Wassertropfen bis zur Quelle zu verfolgen. Das weinbekannte Konzept des Terroirs wird auch hier eruiert. Von salzig bis süß, von stahlig bis cremig – die Aromenpalette von Wasser erlaubt Expert:innen, wie auch beim Wein, über Geruch und Geschmack Rückschlüsse auf die Herkunft und Mineralisierung zu ziehen. Diese vielfältigen sensorischen Eigenschaften von Wasser eröffnen zahlreiche Möglichkeiten für geschmackliche Kombinationen, die sogenannten Pairings. Wasser ist dabei ein Chamäleon – es kann sowohl allein überzeugen als auch in Kombination mit anderen Getränken glänzen – so hört man es von den Wasser-Sommelières.
Wasser spielt auch in der Welt der Spirituosen eine wichtige Rolle. Die Frage, wie (und ob) sich die Mineralstoffkombinationen von Wasser auf Edelbrände oder Cocktails auswirken, ist ein spannendes Feld für Wasser-Sommelières.

Die Rolle der Wasser-Sommelière

Wasser-Sommelières erlernen ein tiefgreifendes Verständnis und eine feine Wahrnehmung für Wasser. Ihre Expertise erstreckt sich dabei über verschiedene Bereiche: Sie testen und bewerten Wasser basierend auf dessen Geschmacksprofil, wobei sie Faktoren wie pH-Wert, Mineral- und Kohlensäuregehalt berücksichtigen, die maßgeblich zum Geschmack und Mundgefühl beitragen. 
Darüber hinaus bieten sie Beratung und Empfehlungen für Kund:innen oder Gäst:innen, wobei ihr Hauptziel darin besteht, das Geschmackserlebnis durch die sorgfältige Abstimmung von Wasser mit verschiedenen Speisen zu optimieren. 
Wasser-Sommelières tragen außerdem durch die Durchführung von Verkostungen und Bildungsseminaren zum Bewusstsein und Wissen über die Vielfalt und Bedeutung von Wasser bei. Zusätzlich können sie die Verantwortung für die Qualitätskontrolle und Beschaffung hochwertiger Wasserprodukte, die sowohl in Restaurants als auch im Einzelhandel angeboten werden, übernehmen. 

Die Ausbildung

Die Ausbildung zur Wasser-Sommelière ist ein umfassender und detaillierter Prozess, der von spezialisierten Fachinstitutionen angeboten wird. In den Kursen und Schulungen tauchen die Teilnehmer:innen tief in die Welt des Wassers ein, wobei sie sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen. Dazu gehören das Verständnis verschiedener Wasserquellen und deren Verarbeitungsverfahren sowie das Erlernen von Methoden für Geschmackstests und die Grundlagen der Wassersensorik. Der Lehrplan deckt ein breites Spektrum ab, einschließlich der Untersuchung der Wasservielfalt, der Definition und Rechtsgrundlagen im Zusammenhang mit Wasser, sowie der Rolle von Mineralstoffen aus ernährungsphysiologischer Sicht. Ein besonderer Aspekt ist auch die Verbindung zwischen Wasser und Wein, die eine wichtige Rolle in der gastronomischen Praxis spielt. 


Foto: Pexels.com/Jill Burrow

Zwischen Anerkennung und Kritik

Trotz kritischer Stimmen, die die Wahrnehmung subtiler Geschmacksunterschiede und die Spezialisierung hinterfragen, spielen Wasser-Sommelières inzwischen auch eine (wenn auch noch kleine) Rolle in der Welt der Gastronomie und des Luxuskonsums. 
Insgesamt eröffnet das Berufsfeld der Wasser-Sommelière aber eine Welt voller Geschmacksexplorationen, die die Gastronomie bereichern können. Es ist ein Bereich, der uns dazu einlädt, Wasser mit neuen Augen zu sehen und zu schmecken. Wasser ist nämlich nicht einfach nur Wasser – wer das nicht glauben will, sollte im Blindtest ein Wasser aus Linz mit einem Wasser aus Wien vergleichen (sorry Linz). 

*Aufgrund der Zusammenkunft verschiedener Gender-Regeln aus dem Deutschen und Französischen verwenden wir hier stellvertretend für alle Sommeliers und Sommelières die weibliche Form. Falls hier jemand eine eindeutige Lösung kennt, freut sich die Autorin über sachdienliche Hinweise.

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