WIE MEHRWEG ZUM WEIN FINDET
Matthias Hager präsentiert seine neue Weinlinie.
von Coco Pontoni
Matthias Hager präsentiert seine neue Weinlinie.
von Coco Pontoni
Matthias Hager, vom Weingut Hager aus Niederösterreich präsentiert mit „Tagada“ seine neue Weinlinie. Der Clou an der Sache: Der Wein wird ausschließlich in Mehrwegflaschen abgefüllt. Das trifft sowohl den gegenwärtigen Zeitgeist und gleichzeitig ist es ein Weg Nachhaltigkeit nicht nur in den Weinbau, sondern auch in das Rundherum zu integrieren.
Wiederbefüllbare Glasflaschen können – je nach Nutzungszyklus – CO₂-Emissionen, Energieverbrauch und Abfall reduzieren. Genau hier setzt „DIE NEUE MEHRWEGWEINFLASCHE“ an. Das Unternehmen übernimmt Logistik, Reinigung und Kreislaufmanagement und nimmt WinzerInnen einen Großteil des organisatorischen Aufwands ab. Statt ständig neue Flaschen zu kaufen, werden standardisierte Flaschen gesammelt, gereinigt und wieder in Umlauf gebracht – ein Modell, das aus der Bierbranche längst bekannt ist und nun auch im Wein an Bedeutung gewinnen soll.

Das klingt nach einer Idee, die man sofort mögen möchte. Und tatsächlich steckt in „Tagada“ – das nebenbei auch ganz bewusst eine Anspielung an das legendäre Fahrgeschäft im Wiener Prater ist – viel Potenzial. Doch gerade, weil das Konzept vieles vereint, lohnt sich ein zweiter Blick. Denn neben einer gelungenen Vision wirft das Projekt auch Fragen auf – weniger im Entwurf, sondern in seiner praktischen Umsetzung.
Wie nachhaltig kann ein Mehrwegsystem sein, wenn es nur von wenigen Betrieben genutzt wird? Welche Hürden entstehen für Gastronomie und Handel? Und wie bereit sind wir als KonsumentInnen tatsächlich, unseren Teil zu einem funktionierenden Kreislauf beizutragen?
Für KonsumentInnen bedeutet Mehrweg, die leere Flasche nicht einfach im Altglas zu entsorgen, sondern gezielt zurückzubringen. Das ist kein großer Aufwand – aber eben ein zusätzlicher Schritt. Ob sich ein solches System langfristig etabliert, hängt letztlich davon ab, wie selbstverständlich dieser Schritt im Alltag wird. Noch deutlicher zeigt sich die Herausforderung in der Gastronomie. Leergut muss separat gelagert, Rückgaben organisiert und Mitarbeitende mit dem System vertraut gemacht werden. Gerade in kleineren Lokalen, wo jeder Quadratmeter Lagerfläche zählt, kann das zur Belastungsprobe werden.
Und trotzdem wäre es zu kurz gedacht, Mehrweg deshalb abzuschreiben. Denn Kreislaufwirtschaft funktioniert nur dann, wenn möglichst viele mitmachen. Je mehr Weingüter, Händler und Gastronomiebetriebe auf ein gemeinsames System setzen, desto einfacher und effizienter werden Rückgabe und Wiederverwendung. Erst durch diese Skalierung entfaltet Mehrweg sein tatsächliches ökologisches Potenzial.
Vielleicht ist genau das die spannendste Frage, die „Tagada“ aufwirft: Reicht eine gute Idee allein aus, oder braucht Nachhaltigkeit vor allem Strukturen, die sie im Alltag praktikabel machen?
Denn Innovation im Wein zeigt sich heute längst nicht mehr nur im Glas, sondern auch in der Frage, wie dieses Glas überhaupt in unseren Händen landet – und was danach mit ihm passiert.

07.07.2026
von Coco Pontoni