Dario Ceccini, der wohl berühmteste Fleischer Italiens.Dario Ceccini, der wohl berühmteste Fleischer Italiens.
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MY TRIP TO FLORENCE: 72 Stunden in der Toskana

Ein Reisebericht mit Bildern.

Am Foto: Dario Ceccini, der wohl bekannteste Fleischer Italiens.

 


von Matthias Balgavy

Dario Ceccini, der wohl berühmteste Fleischer Italiens.Dario Ceccini, der wohl berühmteste Fleischer Italiens.

Der Frühling ließ dieses Jahr lange auf sich warten. Dementsprechend schwach und ausgemurgelt fühlte ich mich noch im April. Ein kleines Escape-Wochenende musste her – und da kam mir die Einladung von Anaïs und dem 25hours-Hotel-Team gerade recht. Drei Tage Pressereise nach Florenz, volles Programm inklusive. Also nicht lange gezögert und ab zum Flughafen…

Alle Fotos: Matthias Balgavy
Die Straßen von Florenz.

Nach gerade einmal einer Stunde und fünfzehn Minuten Flug landete ich plötzlich direkt im Frühsommer. Und schon nach den ersten Schritten am Arno mit Blick zur Brücke Ponte Vechio, erschlägt einen die Schönheit dieser Stadt. Ich war förmlich geblendet von der Architektur, diesem blendenden Licht (Sonne, who this?!) und den sanften Hügeln der Toskana.

Zuerst ging es aber ins Hotel. Mitten in der Altstadt wurde ein ehemaliges Depot, das jahrzehntelang leer stand, in ein 25hours Hotel verwandelt. Wie in jeder Stadt verfolgt die Marke auch hier ein individuelles Konzept: Dante Alighieri, der berühmteste Dichter Florenz‘ und seine „Göttliche Komödie“ zwischen Himmel und Hölle liefern die thematische Grundlage. Die Zimmer der unteren Etagen sind in Inferno-Rot gehalten und symbolisieren die Hölle, die oberen Etagen in Weiß den Himmel. Ich entschied mich für Letzteres.

Nach etwas Rast im großzügigen, ruhigen und fast dschungelartig begrünten Innenhof ging es schließlich los mit unserer Tour. Ich sage nur: Gelato, Negroni und Bistecca alla fiorentina – die kulinarische Trias der toskanischen Hauptstadt, das mein kulinarisches Gedächtnis während dieser Reise nachhaltig prägen sollte.

Der Negroni wurde übrigens tatsächlich hier erfunden, genauer gesagt nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt. Die Bar Giacosa 1815 gilt als offizielle Geburtsstätte des roten Cocktailklassikers. Heute ist sie allerdings eher Touristenattraktion als Institution. Der Negroni war eher durchschnittlich. Schade.

Trost fand ich dennoch äußerst rasch: bei den vielen Alimentaris samt Buchette del vino (historische Weinfenster  aus denen man direkt ein Glas auf die Hand bestellen kann) und grandiose Pinsen. Eine herrliche Brettljausen-Kultur! Außen knusprig und krachend, innen flaumig-wolkiger Sauerteig. So einfach, und doch ungewohnt gut. Überhaupt sind hier Sandwiches in Form von gefüllten Foccachias ein Ding. Schiacciata heißen die opulent gefüllten Bomber. Die wohl beste Adresse dafür ist All’Antico Vinaio. Dort gönnte ich mir eine Variante mit Mortadella, Pistazie und Gorgonzola. Booom. Innerhalb kürzester Zeit fühlte ich mich im süßen italienischen Leben angekommen.

Am nächsten Tag ging es durch die Stadt. Wir besuchten Handwerksbetriebe der typisch toskanischen Art. Echte Werkstätten, echte Menschen, echtes, jahrhundertealtes Handwerk.

Natürlich führte uns der Weg auch an den großen Ikonen der Stadt vorbei. Der mächtige Dom mit seiner unverwechselbaren Kuppel, die Ponte Vecchio über dem Arno und schließlich Michelangelos David, der selbst die größten Banausen für einen Moment verstummen lässt. Die Uffizien, vermutlich eines der wichtigsten Museen Europas, ließen wir zwar aufgrund der massiven Warteschlangen nur kurz von außen auf uns wirken, dennoch wird einem schnell klar: In Florenz stolpert man praktisch an jeder Ecke über Kunstgeschichte.

Danach ging es wieder zurück zu den Handwerksbetrieben. Florenz lebt nämlich nicht nur von seiner Vergangenheit, sondern auch von den Menschen, die sie bis heute weiterführen. Zuerst die berühmte Schule für Lederhandwerk, danach eine Werkstätte für Mosaike, dazwischen Specialty Coffee. Specialty Coffee in Italien? Ja, ich war ebenfalls überrascht. Der klassische Ein-Euro-Espresso wird hier nur müde belächelt. Bei Ditta Artigianale wird auf höchstem Niveau gearbeitet: Bohnen werden sorgfältig ausgewählt, gemahlen, gebrüht, verkostet und analysiert. Vor allem aber wird mit italienischen Traditionen gebrochen. Mutig und äußerst erfolgreich zeigt man hier, dass selbst die sturen Italiener bereit sind, sich eines Besseren belehren zu lassen.

Am Abend ging es in eine der zahlreichen klassischen Trattorien. Lokale, wie man sie aus ganz Italien kennt: authentisch, berstend voll, gut gelauntes Personal und fantastische Hausmannskost. Wir waren in der Trattoria la Casalinga. Ein kleiner, toskanischer Familienbetrieb unweit des äußerst lebhaftem Platzes rund um die Kirche Santo Spirito gelegen, Die größte Überraschung für mich war hier ein Lauch-Sformatino mit Parmesanfonduta. Ein luftiges Lauchküchlein mit einer seidigen Parmesansauce. Elegant, ungewöhnlich und eine der besten Vorspeisen der gesamten Reise.

Wunderbar geschlafen – vermutlich auch dank eines Liters Chianti – und den angenehm ruhigen Zimmern ging es an Tag zwei hinaus aus der Stadt, direkt in die Chianti-Region.

Dort besuchten wir den legendären Fleischer Dario Cecchini. Bekannt durch das MAD Symposium in Kopenhagen und seine Episode bei „Chef’s Table“ auf Netflix, ist er längst eine internationale Größe. In einer kleinen Siedlung mitten im Nirgendwo hat Cecchini seine Metzgerei in eine Art Disneyland für Fleischliebhaber verwandelt.

Pünktlich um 12:30 Uhr wird jeden Tag mit einer großen Glocke eröffnet. „CARNE DIEM!“ (sic) lautet das Motto, das mit großem Getöse die rund hundert wartenden Gäste anheizt, bevor sich schließlich die Türen öffnen. Beeindruckend, wie professionell hier jedes Rädchen ins andere greift.

Der Erfolg Cecchinis ist allgegenwärtig. In Italien wird er beinahe wie ein Nationalheld gefeiert, demnächst eröffnet er sogar eine Dependance in Hongkong. Einen Ableger betreibt er aber auch direkt in Florenz – genauer gesagt im Restaurant des 25hours Hotels. Dort werden täglich gewaltige Dry-Aged-Steaks auf offenem Feuer unter einem überdimensionalen Kamin gegrillt. Ein Spektakel.

Vegetarier haben es hier allerdings nicht ganz leicht. Das Rindsvieh steht eindeutig im Mittelpunkt.

Den letzten Tag widmete ich den Märkten von Florenz. Fündig wurde ich rasch in einer historischen Markthalle, dem Mercato Centrale. Leider hat hier – ähnlich wie am Wiener Naschmarkt – die touristische Kommerzialisierung längst Einzug gehalten. Nach den echten Lebensmittelständen muss man mittlerweile suchen. Deutlich leichter zu finden sind Souvenirläden und Touristenfallen aller Art. Zudem wurde die schöne Halle durch eine eingezogene Zwischendecke architektonisch etwas entstellt. Von außen wirkt sie beinahe beeindruckender als von innen. Trotzdem: einen Besuch ist sie allemal wert.

Zum Thema Gelato: Eisläden gibt es in Florenz selbstverständlich unzählige. Die wirklich guten zu finden, ist allerdings deutlich schwieriger. Nach ungefähr fünf Versuchen fand ich schließlich, wonach ich gesucht hatte: das beste Haselnusseis, das ich jemals gegessen habe.

In dem kleinen Laden (leider Namen vergessen) wird das Eis von Grund auf selbst produziert. Einfache, ehrliche Zutaten, traditionelle Rezepte, perfekte Cremigkeit und erfreulich ausgewogener Süße. Die Haselnuss stammt zwar aus dem Piemont und hat mit Florenz eigentlich wenig zu tun – aber so streng muss man schließlich auch nicht sein.

 

*Unterstützt von 25h Hotel / Werbung