Gesellschaft

Die Königin der Knollen

von Hanna Stummer

Ein Liebeslied an die Kartoffel


Foto: Pixabay.com/Samuel Faber

Man könnte meinen, dass – zumindest in anglo-germanischen Sprachen – besonders gerne über die korrekte Bezeichnung dieser fantastischen Knolle und ihrer Zubereitungsarten gestritten wird: Erdäpfel oder Kartoffel, Fries oder Chips, Chips oder Crisps, Potato oder Potahto. Worüber sich wohl niemand streiten wird – ausgenommen Menschen mit eindeutigen Geschmacksverwirrungen – ist darüber, dass die Kartoffel den Thron des Reiches der Nachtschattengewächse zu Recht bestiegen hat. Sie ist kostengünstig, ernährungsphysiologisch wertvoll, enorm vielseitig und hat so manche Kulturen durch harte Zeiten gebracht. 
Zunächst ein paar Potato-Facts: Die Kartoffel (lat. Solanum tuberosum) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und ist in manchen Gegenden auch als Erdapfel oder Erdbirne bekannt. Verwandt ist sie mit diesen Früchten nur entfernt, ebenso mit der Süßkartoffel – die ist nämlich ein Windengewächs. Kartoffeln enthalten viele Kohlenhydrate, Eiweiß und Ballaststoffe, darüber hinaus essenzielle Fette und Vitamine, Vitamin C sogar mehr als Äpfel – mit denen immer noch keine Verwandtschaft besteht. Die Bezeichnung „Kartoffel“ kommt übrigens von der optischen Ähnlichkeit zur Trüffel. Die Italiener:innen nannten sie „tartufolo“, was zu „Tartuffel“ und schlussendlich „Kartoffel“ wurde.
Die Knolle wurde in den südamerikanischen Anden kultiviert und von den Spanier:innen im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht. Nach einem eher langsamen Anlauf breitete sich die Kartoffel als Kriegsverpflegung für Soldat:innen über den ganzen Kontinent aus und trug maßgeblich zum europäischen Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung des Kontinents bei. Heute wird die Kartoffel weltweit von gemäßigten Klimaregionen bis in die Subtropen angebaut und gilt als maßgeblich für die weltweite Lebensmittelversorgung, so sehr, dass die Vereinten Nationen ihr 2008 sogar ein ganzes Jahr widmeten. Neben ihrer Artenvielfalt (es existieren mehrere tausend Kartoffelsorten) sind auch die Zubereitungsarten mannigfaltig und kaum zählbar, auch wenn sich manche daran versucht haben. Von gekocht, gedünstet über gebraten ist alles möglich und ich fände es nicht verwunderlich, wenn in Zukunft noch neue Arten der Kartoffelzubereitung und des -verzehrs erfunden werden. Ich persönlich mag Kartoffeln so gerne, dass ich ihnen ein (geheimes) Tattoo gewidmet habe und sie bei den beliebten Online-Quizzes à la „you can only choose one“ immer als letztes übrig bleiben. Ich würde behaupten, wenn ich mich mein Leben lang nur mehr von Kartoffeln ernähren könnte (leider unmöglich), würde ich das tun. Laut Google sind Pommes Frites und Kartoffelgratin die beliebtesten Zubereitungsmethoden – allerdings bin ich nach langer Recherche und viel Kopfzerbreche selbst beim besten Erdäpfelrezept der Welt angelangt – wie durch ein Wunder stammt es von meiner Mutter und hat eventuell ein bisschen mit Kindheitsnostalgie zu tun. Fantastisch ist es allemal, so wie seine Hauptzutat, die Königin Kartoffel.

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